Grußwort bei Gründung des Fördervereins der Moschee Marburg


Ich freue mich, für den Marburger Runden Tisch der Religionen heute ein Grußwort sprechen zu dürfen. Der Runde Tisch tagt und arbeitet seit 2006, und nicht wenige der hier Anwesenden haben schon gelegentlich an unseren Veranstaltungen teilgenommen. Die Moscheegemeinde mit ihrem Sprecher und Motor Dr. Bilal El Zayat war von Anfang an wesentliches Element und eine wichtige Stütze unseres Unternehmens. Ich fand es in dem kleinen Moschee-Raum in der Ketzerbach immer sehr ansprechend und gemütlich. Aber nun freuen wir uns natürlich, dass es in den nächsten Monaten zum Bau einer richtigen Moschee kommen soll. Nun müssen wir zwar in absehbarer Zeit die Route unseres interreligiösen Friedenswegs, den wir im September wieder begehen wollen, ändern, aber da wird uns schon etwas einfallen.

Neubau eines sakralen Raums – keine Gemeinde kann ein solches Projekt allein stemmen, und deswegen rufen auch wir uns selbst und andere zur Unterstützung des Moschee-Vereins auf. Mir kam in diesem Zusammenhang in Erinnerung, dass im Jahr 1823 die von Kaiser Konstantin gestiftete bedeutende Kirche San Paolo fuori le Mura in Rom, in der der Legende nach der Apostel Paulus begraben sein soll, in einem Großfeuer ausbrannte. Damals haben nicht nur der protestantische preußische König und der orthodoxe russische Zar, sondern auch der damalige ägyptische Vizekönig Mohammed Ali wesentlich zum Wiederaufbau beigetragen; er hat vier der riesigen Alabastersäulen gestiftet. Schon damals hat sich also eine interreligiöse Fördergemeinschaft gebildet. Heute spüren wir aber noch weit deutlicher, dass die Religionen für einander verantwortlich sind und dass wir uns gegenseitig helfen müssen. In der Presse konnte man vor einiger Zeit wieder lesen, dass jeder zweite Deutsche dem Islam skeptisch gegenübersteht. In Marburg ist das, denke ich anders. Ich wünsche der Moscheegemeinde viel innere und auch äußere tatkräftige Begleitung durch die Marburger Bürgerschaft.

Als einem evangelischen Christen fällt mir zu alledem natürlich auch ein Bibelspruch ein. Im Johannes-Evangelium sagt Jesus: In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. So stelle ich mir jetzt vor, dass es in Marburg viele solcher Wohnungen gibt – evangelische und katholische Kirchen, die Synagoge in der Liebigstraße, das Shambala Zentrum in Weidenhausen, viele private Wohnungen, in denen gebetet wird, und nun bald die neue Moschee bei St, Jost. Ich erhoffe mir, dass es zu einem regen Austausch zwischen all diesen Wohnungen kommt, zu einem lebendigen Hin und Her, zu gegenseitigen Einladungen. Aber zunächst einmal wünsche ich der Moschee-Gemeinde, dass sie selbst nun bald zu eine schöne neue Wohnung bekommt, in der sie sich wohlfühlt, feiert und sich immer wieder geistlich stärken lässt. Dazu wünsche ich der Gemeinde den Segen Gottes und – auch mithilfe des heute gegründeten Fördervereins – das nötige Geld.

Hans-Martin Barth